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Ca. um 05:00 Uhr morgens erreichen wir den Bahnhof von Jodphur, wo wir
einen längeren Aufenthalt haben - hier steigt unser Mitfahrer aus
und für den Rest der Zugfahrt haben wir das Abteil für uns allein.
So können wir die Liegen heruntergeklappt lassen und so lange wir
wollen liegen bleiben.
Der Wagen ist jetzt höchstens noch halb besetzt und bis Jaisalmer
steigt niemand mehr ein oder aus, so das es auch angenehm ruhig wird.
So lässt sich mit viel Platz und Ruhe sehr entspannt reisen, man
kann noch etwas schlafen, lesen oder den Blick aus dem Fenster genießen,
wo langsam verschiedene karge Landschaften und kleine Orte vorbeiziehen.
Von Jodphur bis Jaisalmer sind es noch knapp 300 Km, für die wir
noch gute sieben Stunden brauchen werden. (Zugstrecken
in Rajasthan- Karte)
Wir bewegen uns von Jodphur aus nur noch grob in westlicher Richtung und
durchqueren verschiedene immer trockner und einsamer werdende Wüstenlandschaften.
Zuerst gibt es noch vereinzelt Landwirtschaft auf bewässerten Flächen
und auch noch dürren Bewuchs mit einzelnen Büschen und Bäumen.
Zunehmend werden diese aber seltener und wir fahren auch durch kleinere
Bereiche reiner Sand- oder Steinwüsten. Es ist im wesentlichen flach,
hin und wieder sieht man kleinere Felsrücken und schmale Bergzüge
gelegentlich auch mal ein ausgetrocknetes Flussbett. Auch die Besiedelung
wird weniger und relativ selten passieren wir noch kleine Ortschaften,
Bahnhöfe oder Straßen. Wo es Bäume und Büsche gibt,
sieht man auch mal Ziegenherden und ab und zu auch den einen oder anderen
Kadaver verschiedener Tiere am Bahndamm.
Irgendwann erscheint dann am Horizont der Berg mit dem Fort Jaisalmer
und ziemlich pünktlich gegen 14:00 Uhr erreichen wir den Endpunkt
dieser Bahnlinie im äußersten Westen Indiens den Bahnhof
von Jaisalmer.
Hier wo nur zweimal täglich ein Zug aus Jodphur ankommt oder abfährt,
löst die Ankunft unseres Zuges etwas lebendiges Treiben aus, aber
es bleibt doch recht beschaulich hier. Auf einem kleinen Platz vor dem
Bahnhofsgelände warten einige Motorrikschas und ein paar Jeeptaxis
und einige der Fahrer sprechen uns an um uns in das beste Hotel zu lotzen.
Aber wir haben ja schon eine Hotelreservierung, die wir über Mothi
in Delhi gebucht haben, so das wir genau wissen wo wir hin wollen. So
nehmen wir uns einen Scooter mit einem unaufdringlichen Fahrer und fahren
zu unserem Hotel, dem Himmatgarh Palace Hotel. Das liegt etwas außerhalb
von Jaisalmer, hat aber eine wunderschöne Aussicht auf die Stadt
und das Fort.
Jaisalmer lässt sich in drei Bereiche einteilen (Stadtplan
von Jaisalmer); in der Mitte liegt auf einer Anhöhe das Fort
mit seinen sehr engen Gassen, wo maximal Zweiräder fahren können.
Um die trutzigen Mauern des Forts herum liegt ebenfalls noch von Mauern
eingeschlossen die Altstadt mit einigen wenigen befahrbaren Straßen
und vielen Gassen und kleinen Plätzen. Um die Altstadt herum schließt
sich in lockerer Bauweise der neueste Teil von Jaisalmer an, mit breiteren
Straßen und vielen Freiflächen. In diesem neuen Teil befindet
sich, etwa eineinhalb Kilometer westlich der Altstadt unser Hotel ein
paar hundert Meter von den nächsten Häusern entfernt auf einer
Anhöhe ziemlich allein und ruhig.
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Es firmiert zwar als so genanntes Heritage-Hotel, aber sicher sind die
meisten Gebäude nicht wirklich alt; es gibt ein älteres Hauptgebäude
mit Empfang, Büros, Restaurant und Gästezimmern und daneben
in einem Garten noch eine ganze Zahl einzeln von außen zugänglicher
Zimmer außerdem einen kleinen Wellnessbereich und einen Pool.
Die Außenanlagen sind zu einem kleinen Teil noch in Bau, alles andere
wirkt aber sehr nett und gut gepflegt.
In der Hitze des frühen Nachmittags erscheint die Hotelanlage wie
ausgestorben weder Personal, noch Gäste sind zu sehen. Aber
der Empfang ist besetzt und in wenigen Minuten haben wir eingecheckt und
können unser Zimmer beziehen. Dies ist nicht groß, aber sehr
schön, rund gemauert wie die Türmchen des Forts, auch innen
mit viel Natursandstein und Marmor gebaut. Das Hotel ist alles in allem
sehr zu empfehlen, wenn man es ruhig mag und keinen besonderen Luxus braucht.
(Doppelzimmer/Turmzimmer ca. 65 Euro mit Frühstück)
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Nach kurzem Frischmachen, brechen wir um 15:30 Uhr wieder auf und stürzen
uns in das Getümmel von Jaisalmer. Wir lassen uns per Scooter bis
zum westlichen Stadttor bringen und gehen zu Fuß weiter. Gleich
hinter dem Stadttor entdecken wir das kleines Restaurant "Trio",
wo man von der Dachterasse einen tollen Ausblick auf die Festung hat.
Klaus war 1993 schon mal hier und hatte es in guter Erinnerung. Hier nehmen
wir ein kühles Getränk und als verspäteten Lunch ein paar
gefüllte Naan; das Essen und die Aufmachung sind super und schon
ist das Trio unser Stammrestaurant hier in Jaisalmer.
Nach der kleinen Stärkung brechen wir zu unserem ersten Spaziergang
in Richtung Fort auf. Wir folgen vom Stadttor aus einer Marktstraße
mit kleinen Geschäften auf beiden Seiten und vielen fliegenden Händlern.
Schon nach einem kurzen Stück wird die Straße für Autos
und Rikschas zu eng und es lässt sich recht entspannt flanieren
nur immer mal gestört durch auf Touristen wartende Verkäufer,
die etwas anbieten.
An einigen Stellen, wo mehrere Gassen sich treffen, gibt es kleine Plätze
mit kleinen baldachinartig überdachten Steinterrassen hier
haben sich vor allem die grell-bunt gekleideten Gemüsefrauen nieder
gelassen, die ihre frischen Waren ausgebreitet auf Tüchern
auf dem Steinboden anbieten. Alles läuft hier sehr ruhig und ohne
Hektik ab, und würde nicht manchmal ein Moped knattern oder ein Handy
piepsen, könnte man an diesen Stellen kaum glauben, das wir uns im
21. Jahrhundert befinden.
Leicht bergauf schlängeln sich die kleinen Gassen, von hier führt
der einzige befahrbare Weg ins Innere der Festungsmauern. Auf dem glatten
Pflaster geht es nun steil und gewunden bergauf durch mehrere Tore, vorbei
an ein paar wenigen Bettlern und Straßenmusikanten. Gut, das es
hier durch die hohen Mauern schön schattig ist, denn hier haben alle
ob Fußgänger oder groß motorisierte, ob Mensch
oder Kuh spürbar mit dem Anstieg zu kämpfen und man ist
froh, wenn man oben den Hauptplatz vor dem ehemaligen Maharaja-Palast
erreicht.
Heute haben wir noch keine konkretes Programm und so schlendern wir ein
bisschen durch die kleinen engen Gassen und lassen alles auf uns wirken.
Abgesehen von der Zufahrtsstraße bis zum Platz vor dem ehemaligen
Maharaja-Palast kann man sich innerhalb des Forts nur zu Fuß, per
Fahrrad oder Moped bewegen für alle anderen Fahrzeuge sind
die Gassen hier oben zu schmal.
Dennoch ist das Viertel innerhalb des Forts kein rein touristischer Ort,
sondern es ist ein normal bewohnter Stadtteil, in dem sich aber neben
den Wohnungen und normalen kleinen Geschäften und Werkstätten
einige Sehenswürdigkeiten und natürlich auch Touristenläden
sowie kleine Hotels und Restaurants befinden.
So hat sich in der Nähe des großen Platzes die Zahl der Andenken-
und Postkartenläden erhöht und es ist neu, dass die meisten
Internetzugang und das Brennen von digitalen Fotos auf CD anbieten. Das
gab es als Klaus vor 12 Jahren hier war natürlich noch nicht. Ansonsten
hat sich das Bild im Fort oder auch in der Altstadt eigentlich nicht verändert
und gibt einem immer wieder das Gefühl, einen Blick in alte Zeiten
werfen zu können.
Das gilt umso mehr je weiter man sich vom alten Palast entfernt und sich
in die noch schmaleren Seitengassen begibt, wo man immer wieder auch mal
in die Hauseingänge oder kleinen Innenhöfe der Häuser blicken
kann. Nicht nur an den großen Bauwerken um den Palast herum, sondern
auch an vielen Häusern in den Seitengassen gibt es großartige
Steinmetzarbeiten zu bewundern kunstvoll bearbeitete Säulen,
Geländer und Fenster aus Stein, die man von Weitem zuerst wegen der
feinen Schnitzereien für aus Holz gearbeitet hält.
Daneben sind oft auch die einfachen Bauern oder Handwerkerhäuschen
ein Augenschmaus, die zwar nicht mit kunstvoll bearbeitetem Sandstein
beeindrucken, sondern nur einfach mit Lehm verputzt sind, aber oft in
sauberem Weiß oder knalligem Blau, Grün oder Violett gestrichen
sind und sich so vom warmen beige der Sandsteingebäude abheben.
Irgendwann gelangt man durch jede Gasse zwangsläufig auf der Festungsmauer,
von wo aus man immer einen schönen Blick auf das darunter liegende
Häuserlabyrinth der Altstadt hat. Auf der Mauer gibt es noch einige
Stellen, wo der Weg nicht weitergeht. Zwar wurde das Fort wohl nie kriegerisch
eingenommen oder zerstört, aber an einigen Stellen gibt es Beschädigungen,
möglicherweise weil man steine aus der Festungsmauer anderweitig
zum Bauen genutzt hat. Man sieht aber, dass daran gearbeitet wird, die
Mauer überall wieder zu komplettieren und wahrscheinlich wird man
bald das Fort auf der Außenmauer umrunden können.
Am Ende einer Sackgasse an der Mauer steht uns eine junge Frau mit ihrem
Baby auf dem Arm Modell für ein schönes Foto als kleine
Gegenleistung fragt sie nach einem Kugelschreiber, womit wir leider nicht
dienen können; da wir aber im Gepäck noch welche haben sollten,
versprechen wir ihr, am nächsten Tag einen Kuli zu bringen. Ob sie
es verstanden hat ?
Am späten Nachmittag dringt von der schon tief stehenden Sonne kaum
ein Sonnenstrahl auf die engen Gassen zwischen die meist zwei- bis dreigeschossigen
Häuser. Der Himmel ist nur als tiefblaues schmales Band zwischen
den Häusern zu sehen, wenn man direkt nach oben schaut.
Wir machen uns langsam auf den Rückweg zum Ausgang zur Stadt, was
meist nicht ohne kleine Umwege funktioniert, da die Gassen meist nicht
gerade auf den Hauptplatz führen. Auf dem Weg begegnet uns noch ein
kleines schwarzes Zicklein, dass offenbar beim Rückweg vom Weiden
vor der Stadt, den Anschluss an seine Herde verloren hat und ängstlich
nach der Mutter ruft. Aus irgendeiner Gasse um ein paar Ecken hört
man noch andere Ziegen sicher wird das Kleine auch nach hause finden.
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