Montag, 21. November 2005

Ca. um 05:00 Uhr morgens erreichen wir den Bahnhof von Jodphur, wo wir einen längeren Aufenthalt haben - hier steigt unser Mitfahrer aus und für den Rest der Zugfahrt haben wir das Abteil für uns allein. So können wir die Liegen heruntergeklappt lassen und so lange wir wollen liegen bleiben.
Der Wagen ist jetzt höchstens noch halb besetzt und bis Jaisalmer steigt niemand mehr ein oder aus, so das es auch angenehm ruhig wird. So lässt sich mit viel Platz und Ruhe sehr entspannt reisen, man kann noch etwas schlafen, lesen oder den Blick aus dem Fenster genießen, wo langsam verschiedene karge Landschaften und kleine Orte vorbeiziehen. Von Jodphur bis Jaisalmer sind es noch knapp 300 Km, für die wir noch gute sieben Stunden brauchen werden. (Zugstrecken in Rajasthan- Karte)

Wir bewegen uns von Jodphur aus nur noch grob in westlicher Richtung und durchqueren verschiedene immer trockner und einsamer werdende Wüstenlandschaften. Zuerst gibt es noch vereinzelt Landwirtschaft auf bewässerten Flächen und auch noch dürren Bewuchs mit einzelnen Büschen und Bäumen. Zunehmend werden diese aber seltener und wir fahren auch durch kleinere Bereiche reiner Sand- oder Steinwüsten. Es ist im wesentlichen flach, hin und wieder sieht man kleinere Felsrücken und schmale Bergzüge – gelegentlich auch mal ein ausgetrocknetes Flussbett. Auch die Besiedelung wird weniger und relativ selten passieren wir noch kleine Ortschaften, Bahnhöfe oder Straßen. Wo es Bäume und Büsche gibt, sieht man auch mal Ziegenherden und ab und zu auch den einen oder anderen Kadaver verschiedener Tiere am Bahndamm.

Irgendwann erscheint dann am Horizont der Berg mit dem Fort Jaisalmer und ziemlich pünktlich gegen 14:00 Uhr erreichen wir den Endpunkt dieser Bahnlinie im äußersten Westen Indiens – den Bahnhof von Jaisalmer.

Hier wo nur zweimal täglich ein Zug aus Jodphur ankommt oder abfährt, löst die Ankunft unseres Zuges etwas lebendiges Treiben aus, aber es bleibt doch recht beschaulich hier. Auf einem kleinen Platz vor dem Bahnhofsgelände warten einige Motorrikschas und ein paar Jeeptaxis und einige der Fahrer sprechen uns an um uns in das beste Hotel zu lotzen. Aber wir haben ja schon eine Hotelreservierung, die wir über Mothi in Delhi gebucht haben, so das wir genau wissen wo wir hin wollen. So nehmen wir uns einen Scooter mit einem unaufdringlichen Fahrer und fahren zu unserem Hotel, dem Himmatgarh Palace Hotel. Das liegt etwas außerhalb von Jaisalmer, hat aber eine wunderschöne Aussicht auf die Stadt und das Fort.

Jaisalmer lässt sich in drei Bereiche einteilen (Stadtplan von Jaisalmer); in der Mitte liegt auf einer Anhöhe das Fort mit seinen sehr engen Gassen, wo maximal Zweiräder fahren können. Um die trutzigen Mauern des Forts herum liegt ebenfalls noch von Mauern eingeschlossen die Altstadt mit einigen wenigen befahrbaren Straßen und vielen Gassen und kleinen Plätzen. Um die Altstadt herum schließt sich in lockerer Bauweise der neueste Teil von Jaisalmer an, mit breiteren Straßen und vielen Freiflächen. In diesem neuen Teil befindet sich, etwa eineinhalb Kilometer westlich der Altstadt unser Hotel ein paar hundert Meter von den nächsten Häusern entfernt auf einer Anhöhe – ziemlich allein und ruhig.

Den Festungstürmen nachempfunden - die hübschen "Turm-Zimmer" im Himatgarh Palace Hotel

Es firmiert zwar als so genanntes Heritage-Hotel, aber sicher sind die meisten Gebäude nicht wirklich alt; es gibt ein älteres Hauptgebäude mit Empfang, Büros, Restaurant und Gästezimmern und daneben in einem Garten noch eine ganze Zahl einzeln von außen zugänglicher Zimmer – außerdem einen kleinen Wellnessbereich und einen Pool. Die Außenanlagen sind zu einem kleinen Teil noch in Bau, alles andere wirkt aber sehr nett und gut gepflegt.

In der Hitze des frühen Nachmittags erscheint die Hotelanlage wie ausgestorben – weder Personal, noch Gäste sind zu sehen. Aber der Empfang ist besetzt und in wenigen Minuten haben wir eingecheckt und können unser Zimmer beziehen. Dies ist nicht groß, aber sehr schön, rund gemauert wie die Türmchen des Forts, auch innen mit viel Natursandstein und Marmor gebaut. Das Hotel ist alles in allem sehr zu empfehlen, wenn man es ruhig mag und keinen besonderen Luxus braucht. (Doppelzimmer/Turmzimmer ca. 65 Euro mit Frühstück)

Pool mit Blick auf Jaisalmer Fort.
Beschaulicher Markt-Alltag in der Altstadt von Jaisalmer

Nach kurzem Frischmachen, brechen wir um 15:30 Uhr wieder auf und stürzen uns in das Getümmel von Jaisalmer. Wir lassen uns per Scooter bis zum westlichen Stadttor bringen und gehen zu Fuß weiter. Gleich hinter dem Stadttor entdecken wir das kleines Restaurant "Trio", wo man von der Dachterasse einen tollen Ausblick auf die Festung hat. Klaus war 1993 schon mal hier und hatte es in guter Erinnerung. Hier nehmen wir ein kühles Getränk und als verspäteten Lunch ein paar gefüllte Naan; das Essen und die Aufmachung sind super und schon ist das „Trio“ unser Stammrestaurant hier in Jaisalmer.

Nach der kleinen Stärkung brechen wir zu unserem ersten Spaziergang in Richtung Fort auf. Wir folgen vom Stadttor aus einer Marktstraße mit kleinen Geschäften auf beiden Seiten und vielen fliegenden Händlern. Schon nach einem kurzen Stück wird die Straße für Autos und Rikschas zu eng und es lässt sich recht entspannt „flanieren“ – nur immer mal gestört durch auf Touristen wartende Verkäufer, die etwas anbieten.

An einigen Stellen, wo mehrere Gassen sich treffen, gibt es kleine Plätze mit kleinen baldachinartig überdachten Steinterrassen – hier haben sich vor allem die grell-bunt gekleideten Gemüsefrauen nieder gelassen, die ihre frischen Waren – ausgebreitet auf Tüchern auf dem Steinboden anbieten. Alles läuft hier sehr ruhig und ohne Hektik ab, und würde nicht manchmal ein Moped knattern oder ein Handy piepsen, könnte man an diesen Stellen kaum glauben, das wir uns im 21. Jahrhundert befinden.

Leicht bergauf schlängeln sich die kleinen Gassen, von hier führt der einzige befahrbare Weg ins Innere der Festungsmauern. Auf dem glatten Pflaster geht es nun steil und gewunden bergauf durch mehrere Tore, vorbei an ein paar wenigen Bettlern und Straßenmusikanten. Gut, das es hier durch die hohen Mauern schön schattig ist, denn hier haben alle – ob Fußgänger oder groß motorisierte, ob Mensch oder Kuh – spürbar mit dem Anstieg zu kämpfen und man ist froh, wenn man oben den Hauptplatz vor dem ehemaligen Maharaja-Palast erreicht.

Heute haben wir noch keine konkretes Programm und so schlendern wir ein bisschen durch die kleinen engen Gassen und lassen alles auf uns wirken.

Abgesehen von der Zufahrtsstraße bis zum Platz vor dem ehemaligen Maharaja-Palast kann man sich innerhalb des Forts nur zu Fuß, per Fahrrad oder Moped bewegen – für alle anderen Fahrzeuge sind die Gassen hier oben zu schmal.
Dennoch ist das Viertel innerhalb des Forts kein rein touristischer Ort, sondern es ist ein normal bewohnter Stadtteil, in dem sich aber neben den Wohnungen und normalen kleinen Geschäften und Werkstätten einige Sehenswürdigkeiten und natürlich auch Touristenläden sowie kleine Hotels und Restaurants befinden.
So hat sich in der Nähe des großen Platzes die Zahl der Andenken- und Postkartenläden erhöht und es ist neu, dass die meisten Internetzugang und das Brennen von digitalen Fotos auf CD anbieten. Das gab es als Klaus vor 12 Jahren hier war natürlich noch nicht. Ansonsten hat sich das Bild im Fort oder auch in der Altstadt eigentlich nicht verändert und gibt einem immer wieder das Gefühl, einen Blick in alte Zeiten werfen zu können.

Das gilt umso mehr je weiter man sich vom alten Palast entfernt und sich in die noch schmaleren Seitengassen begibt, wo man immer wieder auch mal in die Hauseingänge oder kleinen Innenhöfe der Häuser blicken kann. Nicht nur an den großen Bauwerken um den Palast herum, sondern auch an vielen Häusern in den Seitengassen gibt es großartige Steinmetzarbeiten zu bewundern – kunstvoll bearbeitete Säulen, Geländer und Fenster aus Stein, die man von Weitem zuerst wegen der feinen „Schnitzereien“ für aus Holz gearbeitet hält.
Daneben sind oft auch die einfachen Bauern – oder Handwerkerhäuschen ein Augenschmaus, die zwar nicht mit kunstvoll bearbeitetem Sandstein beeindrucken, sondern nur einfach mit Lehm verputzt sind, aber oft in sauberem Weiß oder knalligem Blau, Grün oder Violett gestrichen sind und sich so vom warmen beige der Sandsteingebäude abheben.
Irgendwann gelangt man durch jede Gasse zwangsläufig auf der Festungsmauer, von wo aus man immer einen schönen Blick auf das darunter liegende Häuserlabyrinth der Altstadt hat. Auf der Mauer gibt es noch einige Stellen, wo der Weg nicht weitergeht. Zwar wurde das Fort wohl nie kriegerisch eingenommen oder zerstört, aber an einigen Stellen gibt es Beschädigungen, möglicherweise weil man steine aus der Festungsmauer anderweitig zum Bauen genutzt hat. Man sieht aber, dass daran gearbeitet wird, die Mauer überall wieder zu komplettieren und wahrscheinlich wird man bald das Fort auf der Außenmauer umrunden können.

Am Ende einer Sackgasse an der Mauer steht uns eine junge Frau mit ihrem Baby auf dem Arm Modell für ein schönes Foto – als kleine Gegenleistung fragt sie nach einem Kugelschreiber, womit wir leider nicht dienen können; da wir aber im Gepäck noch welche haben sollten, versprechen wir ihr, am nächsten Tag einen Kuli zu bringen. Ob sie es verstanden hat ?

Am späten Nachmittag dringt von der schon tief stehenden Sonne kaum ein Sonnenstrahl auf die engen Gassen zwischen die meist zwei- bis dreigeschossigen Häuser. Der Himmel ist nur als tiefblaues schmales Band zwischen den Häusern zu sehen, wenn man direkt nach oben schaut.

Wir machen uns langsam auf den Rückweg zum Ausgang zur Stadt, was meist nicht ohne kleine Umwege funktioniert, da die Gassen meist nicht gerade auf den Hauptplatz führen. Auf dem Weg begegnet uns noch ein kleines schwarzes Zicklein, dass offenbar beim Rückweg vom Weiden vor der Stadt, den Anschluss an seine Herde verloren hat und ängstlich nach der Mutter ruft. Aus irgendeiner Gasse um ein paar Ecken hört man noch andere Ziegen – sicher wird das Kleine auch nach hause finden.

Mit indischem Essen kann man schlank bleiben - muß man aber nicht.
Seitenflügel des ehemaligen Maharaja-Palastes im Fort.
Typischer Rajputen-Baustil in Rajasthan
Großartige "Schnitzereien" in Sandstein.
Das Leben in den letzten Winkeln des Forts
- ein Blick in frühere Zeiten.
Desert Rose
... nie darf ich ins Wohnzimmer
... ich steh eh lieber draußen.
Blick vom Fort über die Neu-Stadt
- Windmühlen zur Stromerzeugung.
Dämmerung in Jaisalmer.
Jeden Abend ein Erlebnis - die verschiedenen Stimmungen beim Sonnenuntergang.

Kurz vor der Dämmerung verlassen wir das Fort, nehmen direkt an der Mauer einen Scooter und bitten den Fahrer, uns zum „Sunset Point“ zu fahren, um ein paar Fotos von Fort und Altstadt beim Sonnenuntergang zu machen.Es bringt uns zu einem ummauerten Hügel mit kleinen tempelartigen Steinbauten – hier stehen schon einige anderen Jeeps und sogar ein Touristenbus und wir müssen sogar 20 Rupees Eintritt bezahlen. Klaus kannte eigentlich einen anderen Platz, der damals noch als „Sunset Point“ bekannt war, etwas ruhiger und ohne Eintritt.

Aber auch von diesem neuen Platz hat man einen schönen Blick und Gelegenheit für schöne Bilder. Nach den ersten Blicken und Fotos auf das vom Sonnenuntergang immer milder beleuchtete Fort, merken wir erst, dass sich dieser neue Sunset Point genau gegenüber von unserem Hotel befindet, von wo aus man einen genauso guten Ausblick hat.

Dort sitzen nun auch einige Hotelgäste hinter dem Pool, wo eine kleine Bar aufgebaut wurde – da hätten wir uns den Eintritt auf der anderen Straßenseite sparen können.

Während Silvia schon von Zimmer und Dusche angezogen wird, nutzt Klaus nun noch den Hotelservice und genießt den Rest der Dämmerung und den Blick auf die sich nach und nach erleuchtenden Stadt bei einem Drink an der „Open-Air-Bar“.

Den Tag beschließen wir mit einem Abendessen im Hotel; am Pool sind Tische zum Dinner aufgestellt, der Hotelgarten ist nett beleuchtet und es gab leckere indische Kost. Nach einem kurzen Kartenspielchen fallen wir todmüde in unsere Marmor-Betten.