| Fahrtzeit |
2 Stunden |
| Entfernung |
Saigon - Cu Chi: 120 km |
| Hotel |
Grand Hotel ****  |
Montag, 08.11.2004
Heute können wir ein bisschen länger schlafen: um 06:30
Uhr wird geweckt und wir haben fast ausreichend Zeit, das gute Frühstück
im schönen Saigon Grand Hotel zu genießen.
Ziel unseres heutigen Halbtagesausflug ist das berühmte, nordwestlich
von Saigon gelegene Tunnelsystem vom Chi-Chu aus dem Vietnamkrieg.
Das südliche Vietnam scheint es wettermäßig noch besser
mit uns zu meinen als der Norden; auch heute wieder blauer Himmel
und strahlender Sonnenschein - und jetzt am frühen Morgen auch
noch erträgliche Temperaturen.
Wir fahren mit dem Bus zunächst mindestens eine Dreiviertelstunde
aus dem Zentrum von Saigon durch das Stadtgebiet und es ist sehr interessant,
die morgendliche Aktivitäten auf den Straßen und vor den
Läden wenigstens im Vorbeifahren zu beobachten.
An einem der ersten Stopps an einer Kreuzung versucht eine junge Vietnamesin
unsere Aufmerksamkeit zu erlangen. Sie sitzt als Mitfahrerin auf einem
Moped, das vollbepackt ist mit Taschen und Tüten, in denen sich
offenbar das volle Angebot der beiden an Hemden und T-Shirts befindet.
Sie sind wohl auf dem Weg zu ihrem Geschäft oder Verkaufsstand
und "Madame Geschäftstüchtig" scheint zu hoffen,
auf dem Weg schon mit einer Busladung Touristen ein schönes Geschäft
machen zu können.
Sie zieht jedenfalls T-Shirts aus ihren Tüten und hält sie
mit ausgestreckten Armen in unsere Richtung und ruft uns außerdem
ständig etwas zu, was wir nicht verstehen.
Als sie erkennt, das einige von uns sie bemerkt haben und noch weitere
von uns auf sie aufmerksam werden, beginnt sie um so engagierter mit
ihrer Verkaufsshow, die immer dann unterbrochen wird, wenn ihr Fahrer
es nicht schaffen kann, neben uns zu bleiben, weil die Straße
zu eng, der Verkehr zu dicht oder wir zu schnell werden.
Diese Phasen nutzt sie, um während der Fahrt die bereits gezeigten
Stücke wieder akkurat zusammenzulegen und zu verstauen und etwas
Neues aus ihrem fahrenden Lager herauszusuchen. Spätestens beim
nächsten Ampelstopp nimmt sie ihre Bemühungen dann wieder
auf und geht auf die einzelnen vermeintlichen Kunden in unserem Bus
ein. Mit dem Finger zeigt sie auf eine oder einen von uns und breitet
dann ein T-Shirt, Hemd oder Bluse in der von ihr geschätzten,
passenden Größe zwischen ihren Händen im Fahrtwind
aus. Danach folgt die Vorführung ihrer Kollektion in Kindergrößen,
denn wir alle brauchen sicher Mitbringsel für Kinder, Enkel usw.
.
Diese fahrende Werbeveranstaltung zieht sich über viele Kilometer
der Fahrt durch das Saigoner Innenstadtgebiet hin und die fleißige
Händlerin hofft sicherlich, dass wir bald irgendwo anhalten und
aussteigen, damit die angebahnten Geschäfte auch erfolgreich
abgeschlossen werden könnten.
Da sie ihre Vorführung mit soviel Engagement und Ausdauer betreibt
und dabei eine so fröhliche und positive Ausstrahlung und eigenen
Spaß daran versprüht, hoffen auch die meisten von uns,
dass der Bus halten möge und wir der jungen Dame zum Geschäft
der Woche verhelfen könnten. Wohl jeder auf der Fensterseite
würde ihr jetzt mindestens ein, zwei T-Shirts für 3 $ abkaufen.
Leider erfüllt sich dieser Wunsch nicht - der Busfahrer fährt
gnadenlos weiter und als wir auch am Flughafen vorbeifahren gibt unser
Verkaufstalent auf, ruft uns beim letzten gemeinsamen Ampelstopp aber
noch zu, dass sie um 16.00 Uhr vor unserem Hotel sein werde.
Jetzt ohne unsere charmante Begleiterin kommen wir schon in die Saigoner
Außenbezirke und können unser Interesse wieder auf die
Umgebung und die Menschen an und neben der Straße richten.
Die Straße wird jetzt schmaler und wir durchfahren eine mehrere
Kilometer lange Baustelle zur sicher dringend nötigen Verbreiterung
der Ausfallstraße nach Norden.
Dabei ist natürlich problematisch, dass die alte Bebauung direkt
am Straßenrand beginnt und der Verbreiterung im Wege steht -
für eine breitere Straße müssen also alle Häuser
an der Straße abgerissen werden.
Nach Aussagen unseres Reiseführers stellt das aber kein großes
Problem dar, denn diese Viertel bestehen im wesentlichen aus einer
Reihe schmaler Häuser auf jeder Straßenseite mit langen
Grundstücken dahinter. Die Eigentümer bekommen wohl bis
zu 80% der Neubaukosten vom Staat und so werden die Häuser vorn
an der Straße abgerissen und weiter hinten wieder neu aufgebaut,
so dass der Standort der Läden an der Straße im Prinzip
gleich bleibt. Wir sind beeindruckt - bei uns könnte das sicher
so nicht laufen - , fürchten aber, dass doch einige Einzelfälle
dabei nicht so glücklich wegkommen, was aber im Sinne des Ganzen
hier wohl nicht so wichtig genommen wird.
Nach der langen Baustelle sind wir dann auch schon bald in ländlicher
Umgebung, die hier aber noch nicht so vom Wasser der Flußlandschaften
geprägt ist, wie wir es später im Mekong-Delta erleben werden.
Hier sieht man auch trockene Felder, Obst- und Gemüseanbau, sowie
ausgedehntere Wäldchen und Plantagen.
Nach einer weiteren halben Stunde Fahrt erreichen wir unser Ziel,
den für die - natürlich auch vietnamesischen - Touristen
erhaltenen Teil der Tunnelsysteme von Chu-Chi.
Hier wird zunächst das Info-Zenter besucht, in dem man neben
Modellen und Fotos in mehreren kleinen "Kinos" Filme über
die Anlage in verschiedenen Sprachen sehen kann. Es gibt auch einen
Informationsfilm auf Deutsch, den wir uns ansehen.
Es handelt sich dabei um ein Video in schwarz-weiß und schlechter
Qualität, das auf einem normalen Fernseher gezeigt wird und offenbar
zu Zeiten des Vietnamkrieges vom Fernsehen der DDR produziert wurde,
was sich an der Machart und dem gesprochenen Kommentar erkennen läßt.
Das wirkt von der Art her natürlich unmodern und nicht mehr zeitgemäß,
ist aber vom Inhalt her sehr interessant und beeindruckend.
An den Film schließt sich die Besichtigung der erhaltenen "Realität"
an - wir machen dazu einen Spaziergang durch den angrenzenden, erst
nach dem Krieg wieder aufgeforsteten Wald.
Hier sehen wir originale Einstiegslöcher, Fallen und unterirdische
Räume, die nicht nur als Versteck dienten, sondern in denen auch
Waffen u.ä. hergestellt wurden und alle lebensnotwendigen Verrichtungen
möglich waren. Es gab Krankenstationen, Küchen und sogar
Schnapsbrennereien.
Die Tunnel existierten schon seit den vierziger Jahren in kleinerem
Umfang und erlaubten den Widerstandskämpfern, sich hierhin zurückzuziehen
und von hier aus Operationen in Richtung Saigon zu unternehmen. Während
des Krieges gegen die USA wurden die Tunnel bis auf eine Länge
von insgesamt 250 km ausgedehnt und u.a. mit Unterwasserausgängen
zum Saigon-River versehen. Die Gegend um Cu Chi wurde zu einem der
am heftigsten bombardierten Landstriche überhaupt und auf der
Oberfläche großflächig völlig zerstört.
Die Originaleinstiege und Fluchttunnel waren auf die Körpergröße
der Vietnamesen ausgelegt und damit sowohl für die amerikanischen
Soldaten damals als auch für die westlichen Touristen heute zum
größten Teil unzugänglich.
Für die heutigen Besucher wurde ein 30 m langes Tunnelsystem
extra von 80 cm Durchmesser auf 1,20 m erweitert und lädt dazu
ein, sich hier auch einmal unter die Erde zu begeben. Die schmaleren
von uns probieren das gerne aus und berichten nachher verschwitzt
und glücklich, wieder oben zu sein, von dem bedrückenden
Gefühl in der Enge und Dunkelheit vier Meter unter der Erde.
Die Rückfahrt nach Saigon nutzen wir außer zu einem kurzen
Stopp auf einer Kautschukplantage hauptsächlich zu einem erfrischenden
Nickerchen im kühlen Bus während es jetzt draußen
schon wieder ziemlich heiß und schwül ist; um 12:30 Uhr
sind wir wieder im Hotel.
Es gibt aber nicht viel Zeit zu verschnaufen, um 13:00 Uhr machen
wir uns zu Fuß auf den Weg zum Mittagessen. Dazu besuchen wir
heute angeblich eins der besten vietnamesischen Restaurants von Saigon
und die Ankündigung erfüllt sich.
Das Essen ist wirklich sehr gut und bietet auch mal wieder etwas,
was wir noch nicht kennen, und trotz kleiner einzelner Portionen reicht
es insgesamt, um satt zu werden.
Auch die "Nicht-Seefuß-Esser" (Non-Seafood) bekommen
schmackhafte Alternativgerichte und sind zufrieden.
Jetzt wäre eine ausgiebige Ruhepause in kühler Umgebung
das richtige gewesen, denn nach genügenden Speisen und dazu 2
- 3 Radlern und der schwülen Mittagshitze bringen wir eigentlich
rein körperlich nicht die besten Voraussetzungen für weitere
Aktivitäten mit.
Nach dem Reiseprogramm steht der Rest des Tages zur freien Verfügung.
Aber dazu gibt Silvia die Devise aus: "Freie Verfügung heißt
für uns shoppen, shoppen und nochmals shoppen." Sie hatte
vom Bus aus schon einige Shops und Kaufhäuser entdeckt, die wir
unbedingt besuchen müssen und so geht es in der Mittagssonne
kreuz und quer zu Fuß durch das Einkaufsviertel in der Saigoner
Innenstadt.
Silvia kriegt einen ersten kleinen Kaufrausch im Adidas-Store, hier
ist alles über die Hälfte billiger als in Deutschland.
Shirts,
Shorts,Tops usw, usw
. Zu blöd, dass ich schon zwei paar
Turnschuhe gekauft habe
ich krieg nichts mehr in den Koffer -
ich brauche noch ´ne Tasche
Saigon bietet wirklich sehr gute Einkaufsmöglichkeiten, man bekommt
fast alles; die einheimischen Produkte, z.B. Textilien ( T-Shirt 2-3
$ ) und Lackarbeiten (Bilder, Schalen u.ä. ) als Mitbringsel
für Zuhause sind sehr billig und auch westliche Marken sind wesentlich
billiger als bei uns. So war der Einkaufsbummel interessant und durchaus
lohnend.
Als gute Möglichkeit für eine Ruhepause und Erfrischung
stellte sich das Café auf der Dachterrasse des Kaufhauses "Satra"
heraus, von wo aus man auch einen schönen Blick auf die breiten
Straßen und Plätze zwischen Rathaus und Hafen hat.
Nach einer Rast dort klappern wir noch ein paar Shops ab, holen uns
bei der Singaporer Touristeninformation in einem Edelkaufhaus schon
ein paar Broschüren über unser letztes Reiseziel und machen
noch einen Spaziergang zum Saigon River und dem Hafen, um von weitem
das Schiff der indischen Marine zu betrachten, dessen Mannschaft in
ihren weißen Uniformen überall in der Stadt zu sehen ist.
Nach Einbruch der Dunkelheit kehren wir müde ins Hotel zurück,
nehmen erst unseren obligatorischen Drink in der Lobby, ruhen uns
dann etwas aus und lassen den Abend mit westlichem Essen und ein paar
kühlen Drinks auf der Dachterrasse des Hotels ausklingen.
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Das Verkaufstalent

Das Tunnelsystem von Cu Chi.

Eingänge zu den Tunneln

Panzer der Amis
 Fallen für
die Amerikaner

Kämpfer aus Cu Chi

Reptilienschnaps
 Gummibaum-Plantage

Saigon City

Kriegsschiffe im Saigon-River
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